Die Verbreitung des Jiu Jitsu durch die Samurei

Die Samurei hielten es für nicht akzeptabel, bei Verlust der Hauptwaffe (Schwert, Lanze, Stock u.s.w), den Kampf aufgeben zu müssen. Sie suchten deshalb nach einem passenden effektiven Verteidigungs-System, welches das Beste von allen sein müsste.

Überlieferungen besagen, dass der Chinese Chin Gempin, welcher sich in Owari niederließ und dort 1671 verstarb, die Samurei von Edo (heute Tokio) in eine geheimnisvolle Kunst (Shuai-Jiao und Quin-Na ->Systeme des Werfen, Hebeln und Schlagen) einweihte, welche jedoch dem Volk gegenüber stets streng geheimgehalten wurde.

Erst drei seiner Schüler entwickelten einen eigenen, weniger kraft aufwendigeren Stil und nannten diesen Jiu Jitsu. Einer von Ihnen, Akiyama Shirobei Yoshitoki, erkannte (um 1732) die „Kunst des Nachgebens“ bei der Beobachtung eines Weidenbaumes, welcher einen Sturm, durch seine Biegsamkeit, unbeschadet überstand (viele beschreiben auch das Nachgeben unter einer Schneedecke). Er gründet seine erste Schule und nannte sie Yoshin-Ryu (Weidenherz-Schule). Schon nach kurzer Zeit bürgerte sich das Jiu Jitsu bei allen Samurai ein und entwickelte sich rasch zu einer Kampfkunst der Selbstverteidigung ohne Waffen, mit dem Ziel, den Gegner kampfunfähig zu machen oder zu töten. Bereits Ende des 17. Jahrhunderts war Jiu Jitsu eine der ersten Pflichten eines jeden Samurai und wurde im Boshido dem sogenannten Ehrenkodex der Samurai festgelegt.

Mit dem Untergang der Samurei um 1867 n.Chr. und dem Verbot das Tragen ihrer Waffen in der Öffentlichkeit, blieb den Samurei nur noch das unterrichten an öffentlichen Schulen. So geriet das Jiu Jitsu in die Verbreitung unter dem Volk in ganz Japan. Leider wurde durch den Einzug von westlichen Einflüssen das Jiu Jitsu langsam in Vergessenheit gedrängt und Basball, Basketbal, Fußball u.s.w. waren die neuen Volkssportarten.

Seitensansicht eines Samurei in schwerer Rüstung mit gezogenem Schwert

Samurei in schwerer Rüstung

 

Die Wiedergeburt des Jiu Jitsu

Gesicht von Dr. Erwin BaelzSeltsamer Weise schaffte es ein Deutscher, dass das Jiu Jitsu in Japan nicht in Vergessenheit geriet. Der in Tokio unterrichtende deutsche Professor Dr. Erwin Baelz war ein begeisterter Jiu Jitsu-Sportler und erreichte als kaiserlicher Leibarzt, das all seine Studenten Jiu Jitsu-Techniken erlernen sollten um sich körperlich fit zu halten.

 

 

Poträt von Jigoro KanoEin Student, Jigoro Kano, erlernte Jiu Jitsu von Meistern mehreren Schulen. Er vereinte alle Stile und Techniken in das Kodokan-Jiu Jitsu (Geburt des Judos) und errichtete später selbst mehrere Schulen. In Europa wurde Jiu Jitsu um die Jahrhundertwende bekannt. Der wichtigste uns noch bekannte Lehrer dürfte wohl Katsukuma Higashi gewesen sein, er war ein direkter Schüler von Jigoro Kano. Katsukuma Higashi schrieb zusammen mit Irving Hancock zwei Jiu Jitsu Bücher, die im Jahr 1905 in englisch, französisch und deutsch auf dem Markt erhältlich waren. Er lehrte Kano Jiu Jitsu (Kodokan Jiu Jitsu) u.a. in Deutschland und später in England. Higashi Katsukuma vertrat ein sehr Kampf bezogenes, ursprüngliches Jiu Jitsu.

 

 

 

Jiu Jitsu in Deutschland